Home > Dialekte / Varietäten > Lovara-Romani > Textbeispiel

Lovara-Romani: Textbeispiel

Informationen

Erzähler: Karl Nitsch *1930

Herkunft: Wien, Österreich

Aufnahme: 1971 Wien

Quelle: Phonogrammarchiv der OAW: PhA B 37502 (SH 2197)

Soundfile auf:

Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. / Wallaszkovits, Nadja. 2002. Kodo phende e Romora ... Lovarenge paramiča taj gjila – Dies erzählten die Rom ... Märchen und Lieder der Lovara [2 CDs]. Graz/Wien: Romani-Projekt CD 2: CD1/track15.

Romani-Text und deutsche Übersetzung veröffentlicht in:

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. 2001. Te na dikhas sunende ... Lovarenge paramiči, tertenetura taj gjila. – Fern von uns im Traum ... Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara. Klagenfurt/Celovec: Drava: 38-39.

Englische Übersetzung: Ulla und Henry Briscoe

O rašaj taj o beng

Sas ka nas. O svunto rašaj ando gav taj igen e romnjanca kerlas taj e žuvljanca, taj ka nasul sas, avilas o beng te igrel les. Taj gero rašaj dikhel e benges. Ale vo leske: "Muro svunto bengona, na ker manca tje fogaša! Naštik mukesas maj dur te trajij? De ma inke ek proba!" – "Ja, muro rašaj, dap tu vareso, te šaj trajis maj dur. De sikav mange kodo, so šoha či dikhlem! Tehara dopaš aratjako si te sikaves mange, te na žanesa, atunči si te igrap tu!" No gero rašaj naškerel, rodel, pušel, dikhel. Ka rakhlas s'o beng šoha či dikhlas? Žal ka peski thuli gajži, so žutij les, so kiravel leske. Sas ande late šelbiš kili. Ka, či kodi či žanel khanči. No, ande peski nevoja žal mevi ande kaj kečka ando štalovo. Dikhel pi kečka. So phenla leske i kečka? Ka žanla e kečka, či žanel, či te vorbij.

No, aba avelas i dopaš rat. Sas aba dopaš dešudu, inke či žanel. Ecera del leske andi godji. Našel andi konjha ande, ka peski gajži, sas ande la šelbiš kili. Šol la tista, tista nanges. Igrel la ka i kečka ando štalovo. Lel i kečka avr'anda štalovo. Šol e gajža pe štare, pe vast taj pe purne, pe štarende kote, taj šol lake o lanco andi korri. No, taj igrel la kečka taj garavel la.

No vorta o časo malavel e dešudu: "Bem!", ecera kate aba o beng: "No muro rašaj, rakhlan aba so šoha či dikhlan." – "Jo či žanav, muro raj-benga! Ap taj dikh-ta le, so-j kado." Žal lesa ande kečkako štalovo. O beng dikhel: Jokfar dikhel palal, jokfar dikhel anglal. Taj kerel e šeresa, pale dikhel anglal, pale palal kerel e šeresa. "Jaj rašaja, kecava kečka meg trajij šoha či dikhlem! Aj soski kečka-j kadi? Aj lake čuča anglal-i taj lake mustaca palal! Aj maj dur trajindan, njerindan ma! No muk t'ašos kate! Aš Devlesa!" Taj gelo-tar. Taj gero rašaj, te na mulas, ž'adjes inke trajij.

Der Priester und der Teufel

Es war, weil es nicht war. Im Dorf lebte einmal ein ehrwürdiger Priester, der hielt es mit den Frauen und Mädchen, und weil er verdorben war, kam der Teufel, um ihn zu holen. Der arme Priester sieht den Teufel. Er sagt zu ihm: "Ehrwürdiger Teufel, treibe doch nicht deinen Spaß mit mir! Könntest du mich nicht leben lassen? Gib mir noch eine Chance!" – "Gut, lieber Priester, ich gebe dir noch eine Chance, damit du weiterleben kannst. Zeig mir etwas, das ich noch nie gesehen habe! Morgen um Mitternacht mußt du es mir zeigen. Wenn du es nicht kannst, dann muß ich dich mitnehmen!" Der arme Priester läuft herum, er sucht, er fragt, er schaut. Wo könnte er etwas finden, das der Teufel noch nie gesehen hat? Er geht zu seiner dicken Magd, die für ihn kocht und den Haushalt führt. Sie wiegt an die 120 Kilo! Auch sie weiß nichts, woher auch? In seinem Unglück geht er sogar zur Ziege in den Stall. Er schaut die Ziege an. Was soll ihm die Ziege sagen? Was weiß schon die Ziege? Sie kann ja nicht einmal sprechen!

Mitternacht naht bereits. Es ist schon halb zwölf, und noch immer hat er nichts gefunden. Plötzlich hat er einen Einfall. Er läuft in die Küche zu seiner Magd, die 120 Kilo hat, und zieht sie ganz nackt aus. Daraufhin führt er sie zur Ziege in den Stall. Die Ziege nimmt er aus dem Stall. Die Magd stellt er auf allen Vieren, auf Händen und Füßen, auf den Platz der Ziege, und befestigt auch die Kette um ihren Hals. Die Ziege führt er weg und versteckt sie.

Kaum schlägt es zwölf Uhr – bim! – ist der Teufel auch schon da. "Nun, mein Priester, hast du etwas gefunden, das man noch nie gesehen hat?" – "Ich weiß nicht, mein Herr und Teufel! Komm und schau dir an, was da ist!" Er geht mit ihm in den Ziegenstall. Der Teufel schaut herum, einmal schaut er hinten, einmal schaut er vorn. Er schüttelt den Kopf, schaut wiederum vorne und wiederum hinten! Er schüttelt den Kopf: "Mein lieber Priester, seit ich lebe, habe ich eine solche Ziege noch nie gesehen! Was ist das nur für eine Ziege? Sie hat die Euter vorne und den Bart hinten! Du sollst weiterleben, du hast mich besiegt! Du kannst dableiben! Auf Wiedersehen!" Und er ging weg. Der arme Priester aber, wenn er nicht gestorben ist, lebt heute noch.