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Kalderaš-Romani: Textbeispiel

Informationen

Erzähler: Dragan Jevremović *1946

Herkunft: Baljevac na Ibru, Serbien

Aufnahme: 1998 Wien

Quelle: Phonogrammarchiv der OAW: PhA SD 5156

Soundfile auf:

Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. / Wallaszkovits, Nadja. 2003. O romnije zelenije ... Romenge paramisa taj gila – Frau, du grüne ... Märchen und Lieder der Roma [3 CDs]. Graz/Wien: Romani-Projekt CD 3: CD2/track1.

Romani-Text und deutsche Übersetzung veröffentlicht in:

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. 2003. E bengali Romni. So Roma phenen taj gilaben ‒ Die schlaue Romni. Märchen und Lieder der Roma. Klagenfurt/Celovec: Drava: 102-107.

Englische Übersetzung: Ulla und Henry Briscoe

E čirikli telaj stadźi

Sas je řomano śav. Kê le Řomengê śave arakhênas univar le grasten, čaravenas le paša ‘l drom, haj o têrno śavořo, tradja les lesko dad te arakhêl le grasten. Kaj arakhêl lo le grasten?! Numa dikh, śudel le jakha kadja po plaj, dikhêl, k’ avel jek manuš po gras inćal ande jekh kalo mantino. Ale o śavořo de beng, so kam kêrel? „Devla, sar šaj me khêlav mange cêřa kakale manušêsa, kaj avel opral, de chancî chochavav les varesogodi? Sasto djes lja ma e vîřîcija katka khanči či kêrav.“ No gîndil vo, gîndil vo, so kam kêrel, sar kam – „Aha“, phenkê, „akana ka zumavav muři bach, dal šaj chochavav les.“ Vo so kam kêrel? T’ ertis, aśel peskê avri maškare po drom, atunč lja peśći stadźi aj thodja opral pe kukala marimata.

Kaj thodja opral haj sa kothe paša kodja stadźi boldel pe vov, boldel pe, pašljol, uštel, kêrel, o Del źanel, sa so či kêrel. Lokhês, lokhês, lokhês sa avel-tar kuko manuš pe kuko gras, haj aśilo le grastesa haj dikhêl pe leste: So kako cînořo kata kadja stadźi boldel pe, so vo kamel, so vo – ? So sî lesa dal diljajlo, so sî lesa? Numa kuko śavořo pale kata e stadźi źal, phirel, boldel pe, sar te kêrel, so te kêrel, and’ eg data puśel les: „He cînea!“. Phenkê: „So sî, raja?“ – „So tu kêres kothe?“ – „Joo, najis Devleskê kaj aviljan“, phenkê, „raja! Me astardem jek šukar čirikli, kasavi čirikli ando trajo našti dikhljan maj but čiti dikhêsa.“ – „Po kaj la?“ – „Po ake katka telaj stadźi! Numa sar lava kataj stadźi, kê but sî phares te astarav la telaj stadźi, našêl mangê pale.“ – „Źa tu cînořea, tu dilea! Či źanes tu sar e čirikli astardjol. Aś, me te sîkavav tu, sar astardjol e čirikli!“ 

Atunč fulel kuko manuš pa gras aj fuljarel pesko mantino, kuko kalo šukar, haj bufjarel pe kuća stadźi opral. Haj lokhês, lokhês, lokhês jekhe vastesa inkêrel katka, te na avela lufto. Aj lokhês thol o vas maškar telaj kuća stadźi. Haj astarel la čiriklja! Numa kana ankaladja o vas aj dikhêl, so sî les ande vas: vorta kukale śaveskê marimata! Joo, choljajlo kuko manuš, arak Devla, ka mundarel les, kana vortosajlo o manuš, dikhêl, o śavořo kathende naj lo, našlo.

So kam vo kêrel, čořo? Marisardja pesko vas, melalo! Našti źal maj dur. Vo dikhêl, kaj kam źal, rodel paj varekaj. Numa ande kodja plajin kathende paj naj. Atunč lja sama jek khêrořo ando voš, kadja sî inća: „Ah“, lošajlo, „akana źav mangê inća, kam chalavav muřê vas šukar, kaj chochadja ma kuko cînořo beng.“

Kana gêlo-tar inća ka kodo khêrořo, marel po vudar, anklel avri jekh raklořî. Vo so kam kêrel kodo manuš? Puśel la: „Trajil o Del ći bach, raklořie, šaj t’ anes mangê chancî paj, ta chalavav muřo vastořo, ke meljajlem varesar.“ – „Joo, raja, jertisar, amen paj naj amen“, mothol e raklořî. „O Devla munřea, apo sar naj tumen paj, sostar tumen trajin?“ – „Źanes“, phenkê, „kana del o bîrsind, amen ćidas kodo paj, kana opral pa khêr kaj pićal ande amari kakavi, haj kothar las kodo paj. Numa akana bezêch či dja śonenca či dja bîršind, eta akana naj amen paj.“ – „Apo so kêren tumen atunč, kana naj paj? Katar pen, so kêren?“ Phenkê: „Univar ame las marija, šachesko paj, kuko.“ – „Oh Devla munřea, apo kodo sî laśes. An mangê!“

Geli-tar e raklořî aj andja leskê ande jekh phuvjako lavori – jeg ledženo řomanes. Aj voj lel haj thol leskê paj, vov chalavel peske vas kukola marijasa. Kana chaladja le vas atunč chutilil kuko ledženo anda la raklořakê vas haj thol ka muj. „Jou“, phenkê, „savi šukar kaća marija, kako šachesko paj! Me ande muřo trajo či pilem kasavi marija!“ – „E raja“, phenkê, „avelas bi voj înkê maj laśi aj maj šukar, numa tasulo jeg baro chîrco andre. Anda kodja varesar akana naj maj but kadja laśi sar bi trobulas t’ avel.“

Jo, kana ašundja kuko raj, kê tasulo o chîrco andrê, vo lja te izdral haj meklja kuko ledženo anda vas. Kana meklja o ledženo anda vas, o ledženo pařadilo, haj e raklořî lja te rovel: „Joj, raja“, phenkê, „so kêrdjan, kako! Akana mundarel ma muři dej, kê naj ande soste te chalavel peskê punřê maj but!“ Vov, kana ašundja, kê înkê i le punřê chalaven ande kodo, atunč vo diljajlo. Haj gêlo maj sîg kherê te najol, ando thud te chalavel pe, ke marisajlo but!

T’ aves sasto, bachtalo!

Der Vogel unter dem Hut

Es war einmal ein Romabub. Und weil die Romabuben manchmal auf die Pferde aufpaßten und sie neben der Straße weiden ließen, schickte sein Vater den jungen Buben die Pferde hüten. Und paßt der auf die Pferde auf – aber wo! Schau nur, er richtet die Augen so auf den Berg und sieht, dass von dort ein Mann in einem schwarzen Mantel auf seinem Pferd daherkommt. Und das Bürschchen, der kleine Teufel, was wird er machen? „Gott, wie kann ich diesem Mann, der herunterkommt, einen kleinen Streich spielen, und ihn irgendwie ein bißchen hinters Licht führen? Den ganzen Tag tue ich nichts, mir ist schon langweilig hier.“ Er überlegt und überlegt, was er machen soll. „Aha“, sagt er, „jetzt werde ich mein Glück versuchen, ob ich ihn hinters Licht führen kann“. Also was wird er machen? Entschuldige, er hockt sich mitten auf den Weg, verrichtet seine Notdurft, nimmt seinen Hut und stülpt ihn über die Exkremente.

Nachdem er ihn darüber gestülpt hat, geht er um den Hut herum, geht herum, legt sich nieder, steht wieder auf, weiß Gott, was er nicht alles tut. Langsam und gemächlich reitet da jener Mann auf seinem Pferd daher, hält das Pferd an und schaut ihn an: Warum läuft dieser Kleine da um den Hut herum, was will er da? Ist er übergeschnappt, was ist los mit ihm? Aber jener Bub macht weiter und rennt um den Hut herum, geht, dreht sich, wie soll er es machen, was soll er machen, auf einmal ruft ihn der Mann: „He Kleiner!“ – „Was gibt’s, Herr?“ – „Was machst du da?“ – „Na Gott sei dank bist du gekommen, Herr“, antwortet der Bub, „ich habe einen schönen Vogel gefangen, einen solchen Vogel hast du im Leben noch nicht gesehen und wirst du auch nicht mehr sehen!“ – „Aber wo ist er?“ – „Na hier unter dem Hut! Aber wie soll ich ihn nur aus dem Hut nehmen, denn es ist sehr schwer, ihn unter dem Hut zu fangen, er fliegt mir wieder davon!“ – „Geh weg da, du kleiner Dummkopf! Du weißt ja nicht, wie man einen Vogel fängt. Warte, dass ich dir zeige, wie man den Vogel fängt!“

Dann steigt der Mann vom Pferd, zieht seinen Mantel aus, diesen schönen schwarzen, und breitet ihn über den Hut. Ganz langsam hält er ihn mit einer Hand nieder, damit keine Luft hineinkommt. Und behutsam tastet er mit der Hand mitten unter den Hut. Und ergreift den Vogel! Aber nachdem er sie herausgezogen hat, sieht er, was er da in der Hand hält: die Exkremente von dem Buben! Da wurde der Mann so wütend – Gott behüte, er wird ihn noch umbringen –, aber als er sich aufrichtete, sah er, dass das Bürschchen nicht mehr da war, es war davongelaufen.

Was wird der Arme jetzt machen? Er hat sich schmutzig gemacht, seine Hand ist schmutzig! So kann er nicht weitergehen. Er schaut, wo er hingehen kann, sucht irgendwo Wasser. Aber hier in diesem Gebirge gibt es kein Wasser. Da bemerkte er im Wald dort ein Häuschen: „Ah“, freute er sich, „jetzt gehe ich dorthin und werde meine Hände gut waschen, weil mich dieser kleine Teufel hinters Licht geführt hat.“

Als er dorthin zu jenem Häuschen kommt, klopft er an die Tür, und ein kleines Mädchen kommt heraus. Was wird dieser Mann machen? Er fragt sie: „Ich bitte dich, Mädchen, kannst du mir ein wenig Wasser bringen, damit ich meine Hände waschen kann, denn ich bin irgendwie schmutzig geworden.“ – „Entschuldige, Herr, aber wir haben kein Wasser“, antwortet das Mädchen. „Mein Gott, aber wenn ihr kein Wasser habt, wovon lebt ihr dann?“ – „Weißt du“, sagt sie, „wenn es regnet, sammeln wir dieses Wasser, wenn es vom Haus herunter in unseren Kessel tropft, und von dort nehmen wir das Wasser. Aber nun hat es leider schon seit Monaten nicht mehr geregnet, und so haben wir kein Wasser.“ – „Aber was macht ihr dann, wenn ihr kein Wasser habt? Was trinkt ihr, was macht ihr?“ Sie antwortet: „Manchmal nehmen wir Krautwasser, das Wasser vom Sauerkraut.“ – „Ach mein Gott, das ist auch gut. Bring es mir!“

Das Mädchen ging und brachte es ihm in einer Tonschüssel – ledženo sagen wir auf Romanes. Sie nimmt sie und gießt es ihm über die Hände und er wäscht sich mit dem Krautwasser. Nachdem er sich die Hände gewaschen hat, nimmt er dem Mädchen die Schüssel aus der Hand und setzt sie an den Mund. „Joj,“ sagt er, „was für ein gutes Krautwasser! In meinem Leben habe ich nicht so ein Krautwasser getrunken!“ – „Na Herr“, meint das Mädchen, „es wäre noch viel besser, wenn nicht eine große Ratte darin ersoffen wäre. Deshalb ist es jetzt irgendwie nicht mehr so gut, wie es sein könnte.“

Als jener Herr hörte, dass eine Ratte darin ersoffen war, fing er an zu zittern und ließ die Schüssel aus der Hand fallen. Nachdem er sie fallen hatte lassen, zersprang die Tonschüssel, und das Mädchen fing an zu weinen: „Ach, Herr“, jammerte sie, „was hast du getan, Onkel! Jetzt bringt mich meine Mutter um, denn jetzt hat sie nichts mehr, worin sie ihre Füße waschen kann!“ Als er hörte, dass sie auch noch die Füße darin wuschen, wurde er verrückt. So schnell er konnte lief er nach Hause, um sich zu baden, um sich in Milch zu waschen, denn er hatte sich ziemlich stark beschmutzt!

Gesund und glücklich mögest du sein!