Home > Dialekte / Varietäten > Gurbet-Romani > Textbeispiel

Gurbet-Romani: Textbeispiel

Informationen

Erzähler: Slobodanka Jovanović *1948

Herkunft: Šabac, Serbien

Aufnahme: ~1990 Wien

Quelle: Phonogrammarchiv der OAW: PhA B 39006 (SH GS9/2)

Soundfile auf:

Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. / Wallaszkovits, Nadja. 2003. O romnije zelenije ... Romenge paramisa taj gila – Frau, du grüne ... Märchen und Lieder der Roma [3 CDs]. Graz/Wien: Romani-Projekt CD 3: CD1/track5.

Romani-Text und deutsche Übersetzung veröffentlicht in:

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. 2003. E bengali Romni. So Roma phenen taj gilabenDie schlaue Romni. Märchen und Lieder der Roma. Klagenfurt/Celovec: Drava: 100-101.

Englische Übersetzung: Ulla und Henry Briscoe

E bendźali Romni

E akana sas jek caro. Caro jek sas. Thaj pa e raklji lesi šukar, Devla! Umpre pe vila! Kana sa o them mandźel e raklja. E so ka-ćerol o caro, phenol: „Sao fuljarela me raklja, lesi raklji k’ ael.“

Joj, Devla džan on angla e vila lesi, ćhelen, bašalen, svašta ćeren, samo te fuljel e raklji, te ael lendźi bori, te ael lendźi raklji. E raklji vardil pese umpral, so ćeren tele, a ni fuljel nisar. Avilo o raklo ćhere, čupil pe bal sar ka źenil-pe e caroće rakljaa.

E Romnji, e Romnji bendźali. Phenol: „Eh, so ka-des tu man, te me fuljarav la?“ –“Naš aćal, gabor narodo džal te fuljarel la, khonik našti fuljarda umpral, a tu ka-fuljares la.“ – „Ma na te xal tu briga“, phenol. „Me ka-fuljarav la. Samo te paća ma.“ – „Dobro.“ – „Anen mandźe e balaja, koja drveno – Hato, tu džanes! – thaj anen mandźe e sita, thaj anen mandźe o aro, thaj indźaren ma kote, haj tumen garadon, a man mećen!“

Kana e Romnji dźeli, thaj boldja e sita natraške, thaj ušanela o aro. A oj dikhla. „Ej, baba, baba, pa ni ušandol o aro geate.“ A oj vardil pe aver rig. „Baba, bolde tu akarin te dićhes ma!“ Oj pale pe aver rig boldel pe. Nisar o šoro ni boldel ki caroći raklji. Medjutim oj xoljalji. Haj fuljel tele. „Baba, ajgja ušandol o aro!“ Thaj boldja e sita, sar ušandol o aro a lja te ušanel. Kova del thaj lel e raklja.

Značil e romnji fuljarda e carose raklja katar e goda. E Romnji bendźali romnji!

Die schlaue Romni

Es war einmal ein König. Seine Tochter war wunderschön, mein Gott! Sie lebte hoch oben in einer Villa. Das ganze Volk liebte das Mädchen. Was soll der König tun? Er sagt: „Wer meine Tochter herunterlocken kann, dessen Frau soll sie werden.“

Ach, mein Gott, alle Welt erscheint vor seinem Schloß, sie tanzen, musizieren, treiben alles Mögliche, bloß um das Mädchen herunterzulocken, damit sie ihre Braut, ihre Frau würde. Das Mädchen verschanzt sich hoch oben, was immer die da unten treiben, auf keinen Fall kommt sie herunter. Da kommt ein Bursch nach Hause, rauft sich die Haare, wie könnte er sich bloß mit der Tochter des Königs verheiraten?

Eine Zigeunerin aber ist schlau. Sie sagt: „Nun, was gibst du mir, wenn ich sie herunterlocke?“ – „Aber geh, soviele Menschen gehen und versuchen, sie herunterzulocken, ist es gelungen, sie von oben herunterzubringen, und du wirst sie herunterlocken?“ – „Das laß nur meine Sorge sein“, sagt sie. „Ich werde sie herunterholen. Vertrau mir nur.“ – „Na gut.“ – „Bringt mir Tröge, solche aus Holz – Hato, du kennst solche! – und bringt mir ein Sieb, und Mehl, und bringt mich dorthin. Ihr aber versteckt euch und laßt mich machen!“

Dann ging die Romni hin und drehte das Sieb um, und siebte das Mehl verkehrt. Die Prinzessin aber sah es. „Hej, Mütterchen, so siebt man aber nicht Mehl!“ Aber diese dreht sich auf die andere Seite. „Mütterchen, dreh dich hierher, dass du mich siehst!“ Die Alte aber dreht sich wiederum auf die andere Seite. Keinesfalls dreht sie ihren Kopf in Richtung der Königstochter. Diese wird inzwischen zornig. Und sie kommt herunter: „Großmütterchen, so siebt man Mehl!“ Und sie dreht das Sieb so um, wie man richtig Mehl siebt, und beginnt zu sieben. Jener Bursch kommt herbei und packt das Mädchen.

So lockte die Romni die Königstochter von oben herunter. Schlau, diese Frau!