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Burgenland-Romani: Textbeispiel

Informationen

Erzähler: Johann "Kalitsch" Horvath

Herkunft: Oberwart, Österreich

Aufnahme: 1969 Oberwart

Quelle: Phonogrammarchiv der OAW: PhA B 37305 (SH 2000)

Soundfile auf:

Fennesz-Juhasz, Christiane / Wogg, Michael / Wallaszkovits, Nadja. 2002. Schun so me phukavav ... Romane pamaristschtscha, phukajiptscha taj gila andar o Burgenland – Hör, was ich erzähle ... Märchen, Erzählungen und Lieder der Roma aus dem Burgenland. Graz/Wien: Romani-Projekt CD 1: track5.

Romani-Text und deutsche Übersetzung veröffentlicht in:

Halwachs, Dieter W. / Gärtner-Horvath, Emmerich / Wogg, Michael. 2000. O rom taj o beng. Romane pamaristscha, phukajiptscha taj gila andar o Burgenland / Der Rom und der Teufel. Märchen, Erzählungen und Lieder der Burgenlandroma. Klagenfurt/Celovec: Drava: 44-47.

Englische Übersetzung: Ulla und Henry Briscoe

O tschoro Rom taj o beng

Sina jefkar jek rom. Sina le deschuduj fatschuvtscha. Taj tschoro gero lo sina, ham sina le hegeduja, t'odolaha ando fosching te cidel gelo. O cilo gav tel phirtscha, taj but maro le dine taj te loj. Meg uso monari nana lo, taj phentscha use peste: "Akan uso monari dschav." Taj kada ande gelo uso monari, o monari ari alo le bare hokoneha. Phentscha leske: "Ma mange cide, roma", phentscha, "use mande bare malea hi!" Phutschla lestar o rom: "So hi? Pa naschtig tuke pomoschinahi?" – "Jaj, jo", phentscha o monari, "use mande o beng al saki epasch rat te elinel!" Hat phentscha o rom: "Aja rat te me ava."

Epaschi rat o rom alo. O monari mit le dija baro maro taj mol taj mas, taj le bengeske lija mit jek hordo schpiritus. Hat kada o beng dikla i hegeduja, phentscha: "Pajtasch", phentscha, "so hi aja?" – "Aja latschi koja hi!" phentscha: "Muk, majd dik, sar tu kheleha!" Taj cidlahi leske dschili.

Del leske o rom o schpiritus te pil. Hat o beng matschilo. Taj kada matschilo, o beng kesdintscha te khelel, taj upro plafond dschalahi, taj le schingenca o cilo plafond mit lelahi. Akan o beng phentscha le romeske: "Mek man te cidel!" Hat o rom phentscha: "Me mekav tut te cidel, ham agun me iste tre naja tel morav, mint afka na dschanes te cidel."

Hat tschil o rom leskere va ando schraufschtok ande. Taj lel asaj baro jerni taj kesdinel leskere va te morel. Phentscha o beng: "Jaj, pajtasch, me na kama buter te siklol i hegeduja te cidel, imar o rat mange ar al!" Phentscha: "Dokla tut morav, dschimeg tu tre ajgeni rateha pisineha, hot te schoha na ajs buter ando molino te elinel." Hat paloda intertschintscha pe, taj o rom ari lija leskere va andar o schraufschtok. Taj akor o beng odole schraufschtokiha naschi gelo.

Taj te na mule, meg te adi dschin.

Der arme Rom und der Teufel

Es war einmal ein Rom, der hatte zwölf Kinder. Er war sehr arm, aber er hatte eine Geige, und mit der ging er im Fasching musizieren. Das ganze Dorf war er schon abgewandert, viel Brot hatte man ihm gegeben und Geld auch. Nur beim Müller war er noch nicht gewesen, und er sagte zu sich: "Jetzt muß ich zum Müller gehen." Als er nun beim Müller eintreten wollte, kam der Müller mit einer großen Hacke heraus. Er sagte zum Rom: "Spiel nicht, Rom! Mir ist ein großes Unglück widerfahren." – "Was gibt es?" fragte der Rom: "Könnte ich dir nicht helfen?" – "Oh ja", sagte der Müller, "zu mir kommt der Teufel jede Nacht um zwölf Uhr mahlen!" Nun sagte der Rom: "Diese Nacht werde ich bei dir sein."

Um zwölf Uhr kam der Rom. Der Müller hatte ihm ein großes Brot mitgegeben, auch Wein und Fleisch, und für den Teufel hatte der Rom ein Faß Spiritus dabei. Als nun der Teufel die Geige sah, fragte er: "Freund, was ist das?" – "Das ist eine gute Sache", sagte er: "Du wirst gleich sehen, wie du tanzen wirst!" Und er spielte ihm ein Lied.

Nun gab der Rom ihm den Spiritus zu trinken. Und der Teufel betrank sich. Als er betrunken war, begann der Teufel zu tanzen. Er sprang bis zum Plafond, und mit seinen Hörnern riss er die ganze Decke herunter. Dann sagte der Teufel zum Rom: "Laß mich spielen!" Der Rom sagte: "Ich lasse dich spielen. Aber zuvor muß ich deine Krallen abfeilen, sonst kannst du nicht spielen."

Nun spannte der Rom die Hände des Teufels in den Schraubstock ein. Er nahm eine große Feile und begann, seine Hände zu feilen. Da jammerte der Teufel: "Ach, mein Freund, ich will die Geige nicht mehr spielen lernen, mir kommt ja schon das Blut!" Der Rom aber sagte: "Solange werde ich dich bearbeiten, bis du mit deinem eigenen Blut unterschreibst, daß du nie wieder in die Mühle mahlen kommst." Da unterschrieb nun der Teufel, und der Rom nahm seine Hände aus dem Schraubstock heraus. Daraufhin ist der Teufel mit dem Schraubstock fortgegangen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.