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Arli-Romani: Textbeispiel

Informationen

Erzähler: Džemail Bajram *1943

Herkunft: Šuto Orizari, Skopje, Mazedonien

Aufnahme: 1969 Wien

Quelle: Phonogrammarchiv der OAW: PhA B 37250 (SH 1945)

Soundfile auf:

Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. / Wallaszkovits, Nadja. 2003. O romnije zelenije ... Romenge paramisa taj gila – Frau, du grüne ... Märchen und Lieder der Roma [3 CDs]. Graz/Wien: Romani-Projekt CD 3: CD1/track2.

Romani-Text und deutsche Übersetzung veröffentlicht in:

Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. 2003. E bengali Romni. So Roma phenen taj gilabenDie schlaue Romni. Märchen und Lieder der Roma. Klagenfurt/Celovec: Drava: 68-73.

Englische Übersetzung: Ulla und Henry Briscoe.

E Fatma pe dade te lel

Šunen akari, te vakerav tumenge me nešto, akana kija gili so šungjen, odija-j so vakeri pe „Fatma pe dade te lel“. Odija-j tuke jek sa i paramis i gili. Samo po šukar te vakerav tumenge, kaj odova-j tuke čirutno istorisko, ko purano čirutno vakti. Odova sine, so džanav me, taj tu taj amen sa, so bešaja, odova sine odžahare:

Uštingja jek kovači, sine le romni taj jek čhaj. Ej, uštingja adije-tajsa, adije-tajsa, alo o edželi e romnjakoro, e romni muli. Ali tajsarin, ked muli e romni, uštindža akana e čhaj, te pomožine e dade, sar čhajake. Ali ked geli ki dućana, pravdža e dućana, šulavdja la, i alo o dad lakoro. Sine nese nalče, te namestinen pe, ali lelja o dad, phenol: „Le, Fatma, o baro čekići!“ Ked lelja e Fatma o baro čekići, khuvindoj, marindoj, čhindili lakiri dugma. Ked čhindili lakiri dugma, uštingja o dad lakoro, vakergja: „Oh, Fatmam, akana bezendingjan mange, bezendingja to kolin sar te dakoro kolin.“ Ked šundža e čhaj, uštingja, vakerdža: „Pusto te ačhol da akava čokano, akava čekići!“

Uštindža, muklja o čekići, geli ki pi tetka. Khuvindoj, rovindoj geli ki pi tetka e pučhol pe tetka: „Jeli, teze, teze, ovla li dad čhaja te lel?“ Uštindža e teza: „Ovla sinko, ovla, lele sar na ovela.“ Uštindža e Fatma: „Thar len, pek len, Devla, te tate barenca!“ Odžahar alo lake pharipe. Uštel, džal ko po dajo. Geli ko po dajo, pučhel le isto adžahar, ma te predužinav but. Pučhel: „Ovla li o dad čhaja te lel?“ Ked isto o dajo da vakeri: „Ovla, Fatma, ovla, lele sar na ovela?“ Ked šundža e Fatma odova, pale vakerdža: „Thar len, Devla, pek len te tate barenca!“ Znači: O Devel t’ avel lenge doha.

Uštel da i Fatma, džal ko po phral. – Pazinen, akaja but nešto interesno i fino. Naj nešto odžahar te vakerav, kaj hohavno, nego odova but šukar. Svako te šunol, em te šunel ustvari. Me da na džanav sar te izrazina-pes akale lafeste, so o dat mislindža e čhajake. – Oj da džal pe phraleste, pučhel e phrale: „O re phrala, phrala, te pučhav tu nešto.“ Pučhla le sa, ovla li ... „Ovla, ovla phene, lele sar na ovela?“, vakerdža lake. Oj da vakerdža: „Thar len, pek len, Devla, te tate barenca!“

Uštel, džal pe dajake ko grobo. Ked geli pe dajake ko grobo, lelja te rovol, khuvindoj, marindoj. O Devel, šućur leske, šundža sa, dindža lakere daja dživapi, gajreti, jeg glaso te odgovorini lake, te irini lake. Oj pučhel pe daja: „Lele daje, daje, dali ovla dad čhaja te lel?“ – „Sar k’ ovol, čhaje, čhaje, tu gudlije? Thar len, pek len, Devla, te tate barenca!“, vakerdža e daj. Nego: „Šun ma, Fatma, čhaje, tu te astare tuke – tu vaker leske, kaj ka-dža leha, sar k’ ovel baba, nego te le tuke, sinko, trin da parne guske. Trine parnen gusken te le tuke. Aj te astare tuke Vrjanska muzikatar.“

Uštindža da e Fatma, džal khere rovindoj, kukindoj. Geli pe dadeste taj vakerela: „Šun baba, baba! Baba tu gudleja. Tu vakerdžan odova lafi, odova da neka ovel hajirlija.“ – Sar vakerena akala khoraja, me na mangav te vakerav. Po šukar mangav te vakerav mange pravo Romane: „Tu baba, te manglan, te astare mange Vrajnska muzikatar taj trine gusken te čhine, ondak me šaj te ovav kli, tu mlo.“ Uštindilo da o dad, kerdža sa so mangla e čhaj, e Fatma.

Ali ked alo o vreme ki većera taj ko kova sa dindža pe odova, ali alo o vreme, odola trin guske parne, odola trin dželatija parne moskere sine. Na sine trin guske nego trin dželatija. Ked ale leske trin dželatija parne, pučhen le: „Dali ko džihani mangeja dali ko kazani?“, pučhle le. „Ej sar ko kazani“, phenol, „koga sijum džihaneske?“ – „Ej,“ phenla, „tu naje tu odova drom! Aver drom počindžan, aver drom kazavršine!“ E adžahare uštinde, ole ko kazani a e rakla ko džihani.

Odori bilačhipe, akari šukaripe.

Fatma soll ihren Vater zum Mann nehmen

Hört her, ich will euch etwas erzählen. Das Lied, das ihr jetzt gehört habt, nennt sich „Fatma soll ihren Vater zum Mann nehmen“. Das ist sowohl eine Erzählung wie auch ein Lied. Nur ist es besser, es euch zu erzählen, denn es ist alt und wirklich geschehen. Es geschah in alten Zeiten, was weiß ich, was weißt du und wir alle, die wir hier sitzen, wann genau es war. Es war folgendermaßen:

Es war einmal ein Schmied, der hatte eine Frau und eine Tochter. Eines Tages, irgendwann einmal, kam für die Frau die Stunde des Todes. Die Frau starb. Am nächsten Tag, nachdem die Frau gestorben war, ging das Mädchen, um dem Vater zu helfen, wie es einer Tochter gebührt. Als sie zur Werkstatt kam, sperrte sie auf, fegte aus, und da kam auch schon ihr Vater. Es waren Pferde mit Hufeisen zu beschlagen. Der Vater sprach: „Fatma, nimm den großen Hammer!“ Als Fatma den großen Hammer ergriff und wiederholt hämmerte, sprang ihr ein Knopf ab. Als der Knopf absprang, sagte ihr Vater: „Oh, meine liebe Fatma, jetzt hast du mich erinnert, deine Brust erinnert mich an die Brust deiner Mutter.“ Als das Mädchen das hörte, erwiderte sie: „Verflucht soll dieser Hammer sein!“

Sie stand auf, ließ den Hammer los und ging zu ihrer Tante. Die Hände über dem Kopf zusammenschlagend, weinend lief sie zu ihrer Tante und fragt sie: „Tante, ach Tante, ist es zulässig, dass ein Vater seine Tochter freit?“ Darauf die Tante: „Es ist zulässig, mein Kind, freilich, warum auch nicht?“ Darauf Fatma: „Brenn sie, versenge sie, Gott, mit deinen heißen Steinen!“ So schwer lastete das auf ihr. Sie machte sich auf und ging zu ihrem Onkel. Sie ging zu ihrem Onkel und fragte ihn genau das gleiche, ich will mich hier nicht lange verbreitern. Sie fragt: „Ist es zulässig, dass ein Vater seine Tochter freit?“ Der Onkel antwortet ebenfalls: „Freilich, Fatma, es ist zulässig, warum denn auch nicht?“ Als Fatma das hörte, fluchte sie erneut: „Brenn sie, versenge sie, Gott, mit deinen heißen Steinen!“ Das heißt: Gott solle ihr Zeuge sein.

Schließlich begibt sich Fatma auch zu ihrem Bruder. – Paßt auf, das ist etwas sehr Interessantes! Nicht soetwas Erlogenes, sondern wirklich außergewöhnlich. Jeder soll zuhören und genau aufpassen. Ich weiß selbst nicht, wie ich das in Worte fassen soll, was der Vater mit seiner Tochter vorhatte. – Sie geht zu ihrem Bruder und fragt ihn: „Ach, lieber Bruder, Bruder, ich muß dich etwas fragen.“ Sie fragt ihn alles, sei es zulässig, und soweiter. „Es ist erlaubt, Schwester, freilich, wie denn auch nicht?“, sagte er zu ihr. Sie darauf: „Brenn sie, versenge sie, Gott, mit deinen heißen Steinen!“

Nun begibt sie sich zum Grab ihrer Mutter. Als sie zum Grab ihrer Mutter kam, brach sie, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend, in Tränen aus. Gott, ihm sei Dank, hörte alles. Er verlieh ihrer Mutter eine Stimme, damit sie ihr antworten konnte. Das Mädchen fragt die Mutter: „Ach Mutter, Mutter, darf ein Vater seine Tochter freien?“ – „Wie soll das möglich sein, meine liebe Tochter? Brenn sie, versenge sie, Gott, mit deinen heißen Steinen!“, sagte die Mutter. Und weiter: „Hör mir zu, Fatma, mein Kind, sag dem Vater, dass du mit ihm gehst, alles werde sich fügen. Aber du mußt dir, mein Kind, drei weiße Gänse besorgen. Du mußt dir drei weiße Gänse ausbitten. Und du mußt dir Musik aus Vranje bestellen.“

Fatma machte sich auf, ging weinend und wehklagend nach Hause. Sie ging zu ihrem Vater und sagte: „Höre, Vater, mein lieber Vater! Was du da gesagt hast, es soll in Ordnung gehen.“ – So wie die Türken es sagen. Ich will das aber nicht weiter ausführen, und sage es besser direkt auf Romanes: „Du Vater, sofern du bereit bist, mir Musik aus Vranje zu bestellen und mir drei Gänse zu schlachten, dann kann ich dein sein und du mein.“ Der Vater führte alles aus, was die Tochter Fatma verlangt hatte.

Als aber die Zeit des Abendessens heranrückte und sich das alles ereignete, als es wirklich ernst wurde, da entpuppten sich jene drei weißen Gänse als drei bleiche Henker. Es waren nämlich keine drei Gänse, sondern drei Henker. Als die drei bleichen Henker zu ihm traten, fragten sie ihn: „Willst du lieber in die Welt oder in den Kessel?“ – „Warum in den Kessel,“ sagt er, „wenn ich doch für die Welt bestimmt bin?“ – „Ah,“ antwortet einer, „dieser Weg ist nicht für dich. Einen anderen Weg hast du begonnen, ein anderes Ende wirst du nehmen!“ Und so kam er in den Kessel, das Mädchen aber war gerettet.

Dort das Böse, hier das Gute.