[ romani ] Projekt

Österreich

In Österreich leben heute einige zehntausend Roma, wobei alle auf österreichischem Staatsgebiet lebenden Roma, unabhängig ihres soziopolitischen Status als "Österreichische Roma" zu verstehen sind. Die österreichischen Roma bilden keineswegs eine homogene Gruppe. Die Situation in Österreich ist ähnlich der in vielen westeuropäischen Ländern, in denen sich die Roma-Bevölkerung aus Gruppen unterschiedlichen soziohistorischen Hintergrunds zusammensetzt. Folglich werden in Österreich auch mehrere Romani-Varietäten gesprochen. Diese werden im österreichische Romani-Projekt dokumentiert und unter anderem im Sprachunterricht verwendet.

Österreichische Roma

In Österreich leben heute einige zehntausend Roma, wobei als "Österreichische Roma" alle auf österreichischem Staatsgebiet lebenden Roma, unabhängig ihres soziopolitischen Status zu verstehen sind. Vorsichtige Schätzungen sprechen von mindestens 25.000. Daneben werden jedoch immer wieder bei weitem höhere Zahlen genannt. Die quantitative Demographie ist bei stigmatisierten und marginalisierten Minderheiten in demokratischen Systemen grundsätzlich problematisch, da es (glücklicherweise) keinerlei Verpflichtung oder Zwang gibt, sich öffentlich zu einer benachteiligten Gruppe zu bekennen. In der Regel kann deshalb angenommen werden, dass konservative Schätzungen am unteren Ende des möglichen Zahlenspektrums liegen. Deswegen dürfte im Fall der österreichischen Romapopulation durchaus eine realistische Zahl von um die 50.000 anzusetzen sein.

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Romani in Österreich

Soziolinguistisch gesehen ist das Romani eine dominierte Minderheitensprache, linguistisch ein heterogenes Varietätenbündel mit einem homogenen lexikalischen und morphologischen Kern, jedoch ohne homogenisierenden Standard. Das Fehlen eines Standards ist Resultat der Marginalisierung der Roma: Nur Gemeinschaften, welche über die nötigen Machtmittel verfügen, um politische, ökonomische oder kulturelle Zentren aufzubauen, entwickeln einen Standard, der per Gesetz durch das Bildungssystem als sprachliche Norm im jeweiligen Einflussgebiet etabliert wird. Da den Roma keine derartigen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, hat sich bisher auch kein allgemein akzeptierter Standard herausbilden können. Folglich ist auch die österreichische Roma-Bevölkerung sprachlich inhomogen. Die folgende Tabelle 1 bietet einen Überblick über die linguistische Pluralität der österreichischen Roma.

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ROMANI Projekt

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sprache und Kultur der Roma an der Universität Graz begann Anfang der 1990er Jahre. Anfänglich auf das Burgenland beschränkt, beschäftigt sich das Projekt mittlerweile sowohl mit dem Romani als europäischer Minderheitensprache als auch mit der soziokulturellen und soziopolitischen Situation seiner Sprecher im gesamteuropäischen Kontext. Abgesehen vom nach wie vor linguistischen Kernbereich, der Dokumentation der Pluralität des Romani als Teil der kulturellen Evolution, leistet das Romani-Projekt durch die praktische Umsetzung und Implementierung der Ergebnisse einen Beitrag zum Kultur- und Identitätserhalt und damit auch zur Emanzipation der Roma als europäische "Volksgruppe". Kodifizierung und Umsetzung unter Einbeziehung der Sprecher verringern zudem die Wahrscheinlichkeit von Sprachverlust und der damit verbundenen kulturellen Assimilation und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Steigerung des Selbstbewusstseins und in weiterer Folge zur sozioökonomischen Integrationsfähigkeit. Es handelt sich beim Romani-Projekt folglich weder um ein rein wissenschaftlich-akademisches Forschungsvorhaben noch um folkloristisch-sprachpflegerische Zwangsbeglückung, sondern um wissenschaftsbasierte Arbeiten im öffentlichen Interesse.

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Romani-Unterricht

Als Unterrichts- und Bildungssprache hat das Romani keinerlei Traditi­on und, wenn überhaupt, auch nur marginale Funktionen. Primärer Grund hierfür ist die fehlende Schrifttradition als Folge des Randgruppendaseins seiner Sprecher: Stigmatisierten und marginalisierten Gruppen fehlt die notwendige politische Macht, um ökonomische und kulturelle Machtzentren zu schaffen. Aber fast ausschließlich nur in derartigen Zentren entwickeln sich Standards, die mittels eines funktionierenden Bildungssystems als gemeinsame Verwaltungs- und Bildungssprache im jeweiligen Machtbereich implementiert und institutionalisiert werden. Andere Varietäten der Standardsprache sowie Varietäten anderer Sprachen werden von einem Standard in dessen Einflussbereich dominiert und sind in der Regel aus dem Bildungssystem ausgeschlossen. Sie haben höchstens marginale Funktionen als Unterrichtssprache; beispielsweise als Hilfsmittel, um Sprechern standardferner oder anderssprachiger Varietäten eben diesen Standard zu vermitteln.

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Literatur